Labelportrait

Den Namen AudioNautes kennen messebegeisterte HiFi-Fans mit ziemlicher Sicherheit von der Münchner HIGH END: Über viele Jahre gehörte das Unternehmen von Fabio Camorani (ebenso wie auch Camoranis zweite, zusammen mit Giuseppe Intorrella geleitete Technikschmiede AudioNemesis) zu den Stammgästen von Europas führender HiFi-Fachausstellung. Doch längst steht AudioNautes nicht nur für erstklassige Verstärker, Plattenspieler und Lautsprecher mit Geheimtipp-Status, sondern mit ihrer Tochtergesellschaft AudioNautes Recordings (ANR) auch für ausgesuchte Tonträger auf Topniveau.

2010 gründete Camorani die Softwaresparte seiner Company mit dem Ziel, „die besten Versionen einiger auserlesener, unbekannter oder weitgehend vergessener Alben aus Klassik, Jazz und Pop anzufertigen“ - und zwar auf Vinyl ebenso wie als Ultra-HQ-CD. Schon dieses Profil zeigt: AudioNautes Recordings fertigt nicht für den Massenmarkt, sondern bespielt eine Nische für Liebhaber und Kenner. Künstlerisch hochkarätige und klanglich exquisite Einspielungen von Werken der Barock-Giganten Bach und Vivaldi gehören dabei ebenso zum Katalog wie Spezialitäten der spätmittelalterlichen europäischen Chormusik. Jazzfreunde wiederum dürfen sich über eine HQ-CD-Wiederveröffentlichung der legendären Stockholmer „Jazz At The Pawnshop“-Session von 1976 freuen, und für Popfans locken Vinyl-Highlights wie Sara Ks audiophiles Kultalbum „Play On Words“ oder „Good Friends“, das neunte Album des amerikanischen Singer-Songwriters Livingstone Taylor, dem Bruder von James Taylor. (Fun fact: Beide Aufnahmen erschienen übrigens 1993; einem rückblickend herausragenden Jahrgang für audiophile Produktionen – man denke beispielsweise an Juwelen wie Cassandra Wilsons Ausnahmedebüt „Blue Light 'til Dawn“ oder „Everything Must Go“, das Comebackalbum von Steely Dan.)

Die Herstellung der (selbstverständlich von den originalen Master Tapes gezogenen) Schallplatten-Editionen übernehmen erstklassige Presswerke wie die Pallas Group oder Optimal, die ihre Pressmaschinen dafür selbstverständlich mit hochwertigem 180-Gramm-Vinyl füttern. Hält man schließlich eine der Gatefold-LPs in der Hand, wirken Schallplatten von AudioNautes Recordings zunächst recht konventionell. Öffnet man aber das Klappcover, kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Bekanntlich gehören Liner Notes zu Basisinformationen eines jedes Tonträgers. Wie ausführlich alle Beteiligten einer Albumproduktion letztlich Auskunft über die Herstellungsprozesse geben, variiert jedoch stark. AudioNautes Recordings setzt im Segment der auf Wiederveröffentlichungen spezialisierten Labels allerdings Maßstäbe in Sachen diskografischer Details. Ein Beispiel: „Solflöjt“, die von der schwedischen Flötistin Gunilla von Bahr mit dem Stockholm Chamber Orchestra eingespielte Zusammenstellung von Werken unter anderem von Vivaldi, Debussy Christoph Willibald Gluck (Katalognummer AN-2301). Hier listen die italienischen Reissues-Experten nicht nur akribisch alle der für ihre Neuveröffentlichung verwendeten Schnitt- und Studioabhör-Komponenten bis hin zu den eingesetzten Tonarmen und Kabeln - sondern auch die wichtigsten Fakten der TELDEC-Erstproduktion von 1977 wie Aufnahmedatum und -Örtlichkeiten, Gerätehardware und die eingesetzten Instrumente.

Es sind Details wie diese, die den Respekt von Fabio Camorani vor den Künstlern einer Albumproduktion dokumentieren, vor seinen Lizenzgebern, die ihm ihr Originalmaterial für eine Wiederveröffentlichung anvertrauen – vor den Käufern von AudioNautes-Platten, denen Camorani ein Maximum an Gegenwert bieten möchte.

Berliner Meister Schallplatten

Dieser Name verpflichtet: Emil Berliner gilt als Erfinder der Schallplatte und des Grammophons – für die Aufnahme und Wiedergabe von Musik war die Arbeit des in Hannover geborenen Technikgenies (1851-1929) von epochaler Bedeutung. Trägt eine Firma also Berliners Namen, dann weiß man: Hier wird das Erbe dieses Pioniers der Tontechnik würdevoll gepflegt – so etwa in Berlin-Kreuzberg. Dort bündeln die Emil Berliner Studios auf rund 400 Quadratmetern drei digitale Tonregien, einen 100 Quadratmeter großen Aufnahmeraum (den Meistersaal) sowie eine Analog-Suite mit einer Neumann-VMS-80-Schneidanlage zu einem Aufnahmestudio der Extraklasse, wahlweise für analoge oder digitale Musikproduktionen. In Hannover wiederum wird bei den Berliner Meister Schallplatten GbR ein besonders sensibler Teil dieser Einspielungen auf Vinyl gezogen. Dafür setzt das Team um die Geschäftsführer, Produzenten und Tonmeister Rainer Maillard und Stephan Flock auf das konsequentesten aller Aufnahmeverfahren: das Direct-to-Disc-Mastering.

HiFi-Fans und Freunde audiophiler Hörkultur wissen: Jede Speicherung von Musiksignalen führt zu einer Verlängerung des Signalweges und zu einem Verlust an Informationen. Beim Direktschnitt-Prinzip werden die in elektrische Schwingungen umgewandelten Schallwellen daher unmittelbar auf eine Lackfolie übertragen, aus der wiederum auf galvanischem Weg die Pressmatrize geformt wird. Jede Schallplatte ist dann ein (limitierter) Einzelabzug von exakt dieser Matrize - weniger Zwischenschritte von der Quelle bis zum fertigen Vinyl sind in der Herstellungskette einer Analog-LP schlicht nicht möglich.

Freilich gilt bei dieser Königsdiziplin der Musikreproduktion für Tontechniker wie auch Musiker die wohl härteste aller Regeln: Hier herrscht das „null-Fehler-Prinzip“. Denn jeder Patzer der Musiker oder der Tontechniker, jede Ungenauigkeit im Herstellungsprozess findet eins zu eins den Weg auf die finale Aufnahme - Overdubs oder nachträgliche Fehlerkorrekturen sind beim Direct-to-Disc-Mastering nicht möglich. Und so ist dieser konsequent analoge Musizier- und Herstellungsprozess von der Performance der Musiker über die Positionierung und Aussteuerung der Mikrophone und die Optimierung der Raumakustik bis hin zur fertigen Langspielplatte eben nicht vergleichbar mit einer normalen Studioproduktion, sondern fordert von allen Beteiligten maximale sorgfältige Vorbereitung und höchste Konzentration im Moment ihres Entstehens. Man könnte auch sagen: 100 Prozent Authentizität führt hierbei zu 100 Prozent Musik und Originalität – allerdings auch zu 100 Prozent Risiko, Stress und Druck.

Berliner Meister Schallplatten

Doch wie gut das klingt, wenn eine Musikerin, ein Musiker, eine Band diese Bedingungen in ein paar Extraprozente Adrenalin umwandelt, wenn die Tontechnik ihr Equipment perfekt eingemessen und feinjustiert hat, das zeigte das Team um Rainer Maillard und Stephan Flock beispielsweise bei seiner Zusammenarbeit mit der amerikanischen Ausnahmesängerin Jocelyn B. Smith, die sich am 2. und 4. Mai 2011 mit einem glänzend aufgelegten Begleitquintett hinreißend „Pure And Natural“ von Jazz über Soul bis zu Blues und hinein in Crossover-Gefilde präsentierte (Katalognummer BMS 1305). Welch gutes Händchen das Team der Berliner Meister Schallplatten für klanglich wie künstlerisch hochwertige Produktionen jenseits des Mainstreams besitzt, zeigen auch Aufnahmen wie die stupenden Piazzolla-Bearbeitungen des venezolanischen Kammermusik-Ensembles Bolívar Soloist („Música de Astor Piazolla“; BMS 1202) oder der Livemitschnitt eines Konzertes des Trios Elaiza, dem am „March 28“ des Jahres 2013 ein faszinierender Grenzgang zwischen osteuropäischer Neo-Folklore und Klängen zwischen Pop, Crossover und Roots Music gelang (BMS 1307).

Gepresst werden die durchgehend handnummerierten Auflagen jeder dieser Produktionen selbstverständlich auf 180-Gramm-Vinyl, und auf allen Coverrückseiten finden sich detaillierte Angaben über das verwendete Recording-Equipment - von den eingesetzten Mikrofonen über die Röhrenmischpulte bis hin zu den beim Schnitt verwendeten Verstärkern.

Impex Records

Bei IMPEX RECORDS redet man nicht lange um den heißen Brei herum. „Wir produzieren die besten Schallplatten und Gold-CDs für die anspruchvollsten Hörer der Welt“ - so und nicht anders liest sich das Credo dieses in Los Angeles ansässigen Remaster-Labels. Nun liegt das finale Urteil diesbezüglich natürlich wie stets im Auge – beziehungsweise im Ohr - des Betrachters. Ohne Frage aber gehört die Firma von Abey Fonn zur crème de la crème im Segment der Anbieter von audiophilen Wiederveröffentlichungen und kann diesen Status mit etlichen objektivierbaren Kriterien untermauern: jahrzehntelanges Knowhow, state-of-the-Art-Tontechnik, bestmögliches Ausgangsmaterial, höchste Sorgfalt in allen Fertigungsprozessen und nicht zuletzt: allerbeste Beziehungen zu Rechteinhabern, Studios und insbesondere zu vielen Bands, Künstlerinnen und Künstlern, deren Schätze bei IMPEX remastert werden.

Doch der Reihe nach: Zu den Mitarbeitern von IMPEX zählen zahlreiche Branchenspezialisten, die zuvor schon mit dem amerikanischen Edel-Label Cisco Music Geschichte im Segment audiophiler Reissues geschrieben haben. Und mit dem 30th Street Studio von Columbia Records, dem Studio A in Hollywood (das Flaggschiff von Capitol) oder den legendären Abbey Road Studios in London verfügt IMPEX über Partnerunternehmen, die zu internationalen Top-Adressen der Szene gehören. In Sachen Studiotechnik setzt man konsequent auf analoge Schneidmaschinen und bestens eingespielte und sorgsam gepflegte Röhren-Komponenten in allem Mastering-Prozessen. Gepresst wird ausschließlich auf 180-Gramm-Vinyl und in limitierten, je nach Veröffentlichung diversifizierten Auflagen. Besonders kostbare Editionen erschienen als klangstarke 2-LP-Sets mit 45 rpm - oder gar als sogenannte „One-Step“-Produktionen. Bei diesem Verfahren, sozusagen dem High-End-Standard der Schallplattenherstellung, entfallen jegliche sonst übliche Zwischenschritte zwischen Lackschnitt und Press-Stempel und der Lackschnitt selbst wird direkt zum Press-Stempel - näher lässt sich an den Klang eines Masterbandes kaum herankommen. Es ist kein Zufall, dass das Label bereits mehrere Auszeichnungen und Grammy-Nominierungen erhalten hat.

Allerdings hat dieses Verfahren einen kleinen Haken: Aufgrund von Abnutzungserscheinungen während des Pressens kann pro Lackschnitt lediglich eine mittlere dreistellige Zahl an LPs gepresst werden - seriöse Anbieter ziehen nicht mehr als rund 500 Kopien pro Matritze. Für höhere Auflagen werden also entsprechend mehr Lackschnitte benötigt, was die Produktion einer solchen One-Step-Edition massiv verteuert. Ergebnis dieses materialintensiven und zeitaufwendigen Verfahrens ist allerdings nichts weniger als ein first-class-Produkt mit weniger Rauschen, klareren Details und tieferen Bässen. Beziehungsweise ein von Beginn in streng limitierter Auflage produziertes und entsprechend begehrtes Sammlerstück – also exakt das, wofür IMPEX RECORDS steht.

Impex Records

Und dann wären da noch die exzellenten Kontakte zu einigen der IMPEX-Künstlerinnen und Künstlern. Nach jahrzehntelanger Arbeit in der Branche ist zwischen Label-Inhaberin Abey Fonn und vielen ihrer Acts ein Vertrauensverhältnis entstanden, das weit über eine normale Geschäftsbeziehung hinausreicht und IMPEX immer wieder besonders exklusive Produktionen ermöglicht. So erlaubte etwa nur die persönliche Beziehung zwischen Abey Fonn und Barbra Streisand die 2023er-Wiederveröffentlichung von „Live At The Bon Soir“ (IMP 6050), jenem Livemitschnitt aus dem New Yorker Greenwich Village, der 1962 quasi die Geburtsstunde der damals 20 Jahre jungen Jahrhundertkünstlerin Barbra Streisand markierte. Im Fall von „Saturday Night In San Francisco“ (IMP 6045) führte ein direkter Kontakt zwischen dem Management von Al Di Meola und Abey Fonn sogar zu einer Erstveröffentlichung: Völlig zu Unrecht schlummerte dieses Nachfolge- beziehungsweise Ergänzungsalbum zum legendären Gitarren-Gipfeltreffen von Al Di Meola, John McLaughlin und Paco De Lucia vom 5. Dezember 1980 lange im Archiv, ehe der zweite, samstägliche Konzertabend im Warfield Theatre von San Francisco mit 42 Jahren Verspätung 2022 endlich das Licht der Welt erblickte.

Und die amerikanische Songwriterin Jennifer Warnes zeigte sich von den IMPEX-Bearbeitungen ihrer Alben „The Well“, „The Hunter“, „Another Time, Another Place“ oder der 2007 aufgelegten Edition zum 20. Jubiläum ihrer Leonard-Cohen-Hommage „Famous Blue Raincoat“ derart begeistert, dass es beim 2023 erschienenen One-Step-Remaster von „Famous Blue Raincoat“ (IMP 6033) zu einer außergewöhnlichen Konstellation kam: Nicht nur ist die drei 12-inch / 45 rpm starke IMPEX-Edition dieses audiophilen Juwels ein Neuauflage auf First-Class-Niveau, sondern sie wird zugleich auch die letzte Auflage dieses 1986 aufgenommenen Klassikers sein: Nachdem Bernie Grundman den Lackschnitt für die IMPEX-Deluxe-Box gefertigt hatte, gingen die Masterbänder des Albums für immer in Jennifer Warnes' persönliches Archiv zurück. Gepresst wurde dieses Schmuckstück schließlich auf sogenanntem „VR-900-Super-Vinyl“, dem Branchenkenner eine maßstabsetzende Detailtreue sowie eine nahezu geräuschlose Oberflächenstruktur bescheinigen.

Nach demselben Muster veredelte IMPEX übrigens auch Patricia Barbers 2000er-Coup „Nightclub“ (IMP 6037) sowie „Getz/Gilberto“ (IMP 6041), die kongeniale, 1963 für Verve eingespielte Jahrhundertsession des Latin-Jazz zwischen Amerikas Saxophon-Genie Stan Getz und dem brasilianischen Gitarren-Gott João Gilberto. Die Wiederveröffentlichung von "Getz/Gilberto" durch Impex anlässlich des 60-jährigen Jubiläums ist die einzige Ausgabe, die in Zusammenarbeit mit der Familie Getz, namentlich Nicolaus Getz, entstanden ist. Natürlich spendiert IMPEX solchen Kostbarkeiten eine entsprechend luxuriöse Ausstattung inklusive Deluxe-Booklet, strapazierfähiger 3-Sleeve-Hülle und einem stoffgebundenen Schuber. Ohnehin gilt: Jubiläumsveröffentlichungen von Impex oder Veröffentlichungen in limitierter Auflage werden oft mit von Historikern verfassten, wunderschön gestalteten Liner Notes und Fotos versehen.

Komplettiert wird das IMPEX-Portfolio von erstklassigen Hybrid-SACDs sowie einer Auswahl an Gold-CDs, bedampft mit einer 24-Karat-Echtgoldlegierung. Alles zusammen: Schallplatten-Schätze und audiophile Raritäten für Sammler und Genießer, hergestellt, um Hörer mit einem klaren High-End-Fokus so nahe wie möglich an die Quelle der Musik zu entführen und diese bestmöglich zu reproduzieren – nämlich so, wie sie einst aufgenommen wurde.

Intervention Records

Musikfans lieben Sticker. Kommt ein Tonträger mit solch einem Dekoelement in den Handel, wird der kleine Aufkleber vorsichtig von der äußeren Cellophanhülle einer LP oder CD entfernt und als fester Bestandteil des Artworks auf das Plattencover übertragen. Bei Intervention Records (IR) sind Sticker freilich mehr als nur eine grafische Zugabe zum eigentlichen Tonträger: Das auf hochwertige Reissues aus Pop und Rock spezialisierte Label von der amerikanischen Ostküste legt hier seine Karten – beziehungsweise seine Trümpfe – offen auf den Tisch und gibt auf seinen Stickern bereits vor dem Kauf Auskunft über die wichtigsten Parameter einer jeden Veröffentlichung. „Hochwertige Vinyl-Reissues sind teuer in der Herstellung und Liebhaber legen dafür viel Geld auf den Tisch. Deshalb haben sie ein Recht darauf zu wissen, was sie für ihr Geld bekommen“, erklärt IR-Chef Shane Buettner. „Daher heißt unser Motto: maximale Transparenz. Wir informieren schon von außen sichtbar über das genaue Quellmaterial unserer Reissues, über den für das Mastering zuständigen Toningenieur sowie über das Presswerk und die des Artwork.“

Das Spektrum von IR, ansässig im spektakulären Puget Sound, einer Meeresbucht rund eine Autostunde südlich von Seattle, umfasst Rock- und Pop-Bestseller von Stars wie Peter Frampton, Joe Jackson und Joan Armatrading, aber auch Geheimtipps und vergessene Perlen der Musikgeschichte – etwa die beiden einzigen Alben der 1979 mit nur 35 Jahren verstorbenen US-Singer-Songwriterin Judee Sill oder das Debütalbum des Country-/Bluegrass-Duos Dillard & Clark, einem Projekt zwischen dem Banjospieler und Gitarristen Doug Dillard und Ex-Byrds-Frontmann Gene Clark. Aktuell neu aufgelegt: „The Gilded Palace Of Sin“, das in Countryrock-Kreisen hoch gehandelte Erstlingswerk der Flying Burrito Bros. von 1969. 

Was das Format betrifft, denkt IR zweigleisig und veröffentlicht die meisten seiner Reissues auch als Hybrid-SACD. Doch tief in ihren Herzen sind Shane Buettner und seine Mitarbeiter lupenreine Vinyl-Liebhaber. „Schallplatten sind für uns die direkteste, wärmste und emotionalste Form der Musikwiedergabe“, sagt Buettner, der selbst in die Ära von Vinyl-Singles und Langspielplatten hineingeboren wurde. „Mit sieben Jahren kaufte ich mir von meinem Taschengeld meine erste 7-inch: 'Love Gun' von Kiss. Als Beilage gab es eine 'love gun' aus Kunstpapier“ – für Buettner eine unvergessliche Erinnerung. Haptische Erlebnisse wie diese sind es, die Langspielplatten in Verbindung mit kunstvollen Artworks und liebevollen liner notes zu etwas ganz Besonderem machen – und zum einem Kulturgut, das nach dem Kauf quasi ein Leben lang nachklingt. Neben einer hochwertigen Pressung widmet IR daher auch der Covergestaltung maximale Sorgfalt. „Wann immer möglich versuchen wir, Einzel-LP auf eine Gatefold-Version upzugraden und Textblätter oder weitere Inlays beizulegen“, erklärt Shane Buettner. Und stets wird die Langspielplatte selbst gut geschützt in Kunststoffhüllen untergebracht – und jedes Exemplar mit dem typischen IR-Sticker im stattlichen Format 13,5 auf 8,5 Zentimetern auf dem Cover geehrt.

Jazz on Vinyl Logo

Wer als Label auf die Schallplatte als Tonträger setzt, achtet meist auf eine durchgehend analoge Produktionskette – schließlich verliert ein analoges Endprodukt erheblich an Faszination und Überzeugungskraft, wenn bei dessen Herstellung in wesentlichen Teilen digitale Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Auch Dominique Klatte stellt bei seinen Veröffentlichungen daher alle Weichen auf eine maximal analoge Produktionsweise.

Für seine immer live und ohne Publikum mitgeschnittenen Aufnahmen verwendet der Inhaber und Chef von Jazz On Vinyl alte Analog-Mikrophone von Neumann, Schoeps, AKG, Royer oder Sennheiser, deren Signale in einen Mischer vom Typ Studer 961/962 wandern. Je nach Bedarf können noch analoge Geräte wie etwa ein Röhrenkompressor eingeschliffen werden. Aufgezeichnet wird alles auf einer generalüberholten und penibel gewarteten Viertelzoll-Bandmaschine vom Typ Studer A 807, die für jede Aufnahmesession neu justiert wird. Und selbstverständlich finden alle Aufnahmen in sorgfältig ausgesuchten, klanglich zur Musik passenden Räumlichkeiten statt.

„Mein Ziel ist es, Aufnahmen professioneller Musiker in höchster Qualität auf Schallplatte zu veröffentlichen und allen Fans der 'schwarzen Scheibe' den Klang der analogen Zeit in absolut bester originaler Qualität hörbar zu machen“, erläutert Klatte das Prinzip seiner 2017 gegründeten Firma. Doch damit nicht genug: Selbst der Tonschnitt wird bei Jazz On Vinyl bisweilen mit Schere und Rasierklinge am analogen Masterband umgesetzt - und nicht an einer digitalen Audioworkstation, die eine AD/DA-Wandlung nötig machen würde. Entsprechend schnell ist bei Jazz On Vinyl das Kapitel „Post-Produktion“ erledigt: Nachbearbeitungen mit künstlichen Hallräumen oder Overdubs mit nachträglich hinzugefügten Instrumenten gibt es bei der in Erding nordöstlich von München gelegenen Firma nicht – dafür authentischen, lupenrein analogen Klang in purer Form. Und nicht zuletzt überzeugt jede der limitierten Produktionen von Jazz On Vinyl durch Basics wie handnummerierte Cover sowie eine makellose Pressung auf schwerem 180-Gramm-Vinyl, gefertigt bei MY45 in Tiefenbach.

Jazz on Vinyl Logo

Um klanglich wie musikalisch exzellente Aufnahmen zu ermöglichen, agiert der Chef dabei nicht nur als Tonmeister und Produzent, sondern schlüpft auch in die Rolle des A&R-Managers und des „Musical Directors“. Stets begleitet und unterstützt Dominique Klatte seine Künstler mit feinem Gespür für Timing und Atmosphäre, für den jeweiligen Charakter eines jeden Musikers und für das besondere Momentum einer Aufnahmesession - und sorgt doch für so viel kreativen Freiraum und klanglich-konzeptionelle Gestaltungsmöglichkeiten wie nur möglich.

Lohn für so viel Akribie und Einfühlungsvermögen: Regelmäßig ernten Produktionen von Jazz On Vinyl glänzende Kritiken in der Musik- und HiFi-Presse sowie Auszeichnungen renommierter Branchenorganisationen – so wurde die siebte, mit einem Hardbop-Quartett um den Pianisten Christian Ludwig Mayer eingespielte Edition der hauseigenen „Jazz On Vinyl“-Serie unter dem Titel „The Call“ jüngst für die Vierteljahresliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Eine unbedingte Empfehlung gebührt auch „Vol. 6“ der „Jazz On Vinyl“-Reihe: Unter dem Titel „Swing On Vinyl“ zeigt hier das Münchner Leo Betzl Trio, wie gut es neben seinem bandeignen Signature Sound zwischen Krautrock und „Acoustic Techno“ auch den Swing der 30er und 40er Jahre beherrscht. Mit sieben exklusiv für dieses Album komponierten Titeln entstand im legendären Münchner Jazzclub Unterfahrt (A-Seite) sowie im Studio von Produzent Manfred Mildenberg (B-Seite) ein Set, das gleichermaßen mit intimem, direktem „Wohnzimmer“-Klang begeistert wie auch mit Piano-Trio-Pretiosen voller Verve und Innenspannung.

Pure Pleasure Records

Rein faktisch betrachtet datiert die Gründung von Pure Pleasure auf das Jahr 2002. Damals startete Tony Hickmott seine im Londoner Stadtteil Twickenham ansässige Firma mit einem puristischen, konsequent umgesetzten Konzept: Pure Pleasure produziert Wiederveröffentlichungen auf 180-Gramm-Vinyl – sonst nichts.

Doch eigentlich beginnt Hickmotts Liebe zu analogen Tonträgern schon in den 1950ern, als der vierzehn Jahre junge Tony in einem kleinen Plattenladen in Blackburn sein erstes Stück Vinyl erstand: eine 7-inch von Ray Charles. Seither blieb er dem „schwarzen Gold“ in verschiedensten Funktionen treu: arbeitete als Schallplattenhändler ebenso wie als Importeur oder als Chef von auf Vinyl spezialisierten Labels wie Greyhound, Flyover oder Disc Empire. Und nie, schwört er, habe er in seinem Leben auch nur eine einzige CD gekauft – und tatsächlich gehört Hickmott zu jenen Musikliebhabern, denen man ein solches Statement wirklich glaubt. Denn eine LP ist für Tony Hickmott nicht nur ein Tonträger, sondern ein Kulturgut, ein ganzheitliches Erlebnis, das von der schwarzen Scheibe selbst über das Cover und die Haptik bis hin zum Geruch reicht.

Diese lebenslange Leidenschaft für die Schallplatte atmet auch jede einzelne der jährlich rund zwanzig Produktionen, die auf Pure Pleasure veröffentlicht wird. Das Portfolio umfasst dabei ein breites Spektrum an Genres von Jazz und Latin Music über Folk und Rhythm & Blues bis hin zu Pop und Rock. Der Katalog reicht von jahrzehntealten, teils aus den frühen 1950er-Jahren stammenden Album-Klassikern bis hin zu „Youngtimern“, denen Hickmott bereits wenige Jahre nach Erstveröffentlichung eine eigene Pure-Pleasure-Ausgabe widmet. Topadressen wie Atlantic, Capitol, Epic, RCA oder United Artists zählen ebenso zu den Geschäftspartnern des Hauses wie Spezialitätenlabels und Nischenanbieter wie Harvest, Imperial, Vanguard oder Bethlehem. „Wir betrachten es als absolutes Privileg, eine Wiederveröffentlichung anfertigen zu dürfen“, sagt Tony Hickmott und revanchiert sich bei seinen Label-Partnern mit liebevollen und sorgfältigst gefertigen Reissues.

Erster Schritt einer jeden Produktion: die Anfrage bei den Rechteinhabern für eine Freigabe des Repertoires, gefolgt von der Suche nach der bestmöglichen Tonquelle, im Idealfall den originalen Mastertapes. Bei der Wiederaufarbeitung dieser Aufnahmen arbeitet Pure Pleasure dann, sofern realisierbar, bevorzugt mit jenen Technikern, die bereits die damaligen Studiomitschnitte gemastert haben. Parallel dazu kümmern sich Grafik-Profis um die detailgetreue Reproduktion der originalen Cover-Artworks. Die finale Fertigung erfolgt schließlich bei den auf hochwertige Vinylpressungen spezialisierten Pallas-Werken im niedersächsischen Diepholz.

Die französische Jazzszene der 1950er- und 60er-Jahre gehörte zum elektrisierendsten, was der europäische Jazz  während dieser beiden Dekaden zu bieten hatte. Wie vital es auf Pariser Bühnen wie dem Olympia, dem Salle Gaveau oder dem Blue Note zuging, beim Cannes Jazz Festival oder dem Festival Juan-Les-Pins in Antibes, davon kündet seit 2006 das Pariser Label Sam Records. Damals begegnete der Jazzliebhaber Fred Thomas dem amerikanischen Saxofonisten und Klarinettisten Nathan Davis, einem Pionier des Modern Jazz und Weggefährten von Ikonen wie Donald Byrd, Art Blakey, Kenny Clarke oder Nat Adderley. Ergebnis: die Reissue von „Peace Treaty“, einer Session des Nathan Davis Sextetts aus dem Studio de la Comédie des Champs-Elysées vom 7. Mai 1965 - und die Geburtsstunde von Sam Records.

Seither widmet sich das Label von Fred Thomas der Wiederveröffentlichung von Jazzplatten, die während der 1950er- und 60er-Jahre in Frankreich aufgenommen und produziert wurden. Zu den Lizenzgebern gehören dabei Top-Adressen der Pariser Musikbranche wie Polydor, Fontana oder Barclay. Und wenn es das Schicksal besonders gut mit ihm meint, holt Thomas ab und an sogar eine bisher unveröffentlichte Aufnahme aus jener Zeit ans Tageslicht – beispielsweise aus dem Nationalarchiv des französischen Rundfunks. Ausschlaggebend ist dabei nicht die Nationalität der jeweiligen Künstler, sondern dass die Aufnahme bei einem französischen Label erschienen ist. In Frankreich gestrandete oder dort im Exil lebende Giganten des American Jazz gehören daher ebenso zum artist rooster von Sam Records wie europäische oder einheimische Musiker.

Für seine Reissues greift Fred Thomas auf die originalen Mastertapes oder die bestmöglichen verfügbaren Bandkopien zurück. Ausgeliefert werden alle Tonträger (darunter auch Spezialitäten wie eine Erstveröffentlichung von Thelonious Monks einzigem Filmsoundtrack, der Musik zu Roger Vadims „Les Liaisons Dangereuses“) in einer tip-on-Cellophanhülle und mit einem Sticker, der Auskunft gibt über die Quelle für das Remaster und das Presswerk. Und wo manch andere Firma das Covermotiv oftmals lediglich über einen Scanner zieht, fahndet man bei Sam Records mit detektivischem Ehrgeiz nach dem originalen Artwork, von dem dann (sofern noch vorhanden) ein eigenes, hochwertig angefertigtes Faksimile als Druckvorlage produziert wird. Gekrönt werden die meisten dieser Liebhaber-Editionen dann von einem Inlay mit einem Originalfoto des legendären Jazzfotografen Jean-Pierre Leloir oder eines gleichrangigen Kollegen. Und vor der Auslieferung durchläuft jedes Exemplar eine interne Qualitätskontrolle.

Inzwischen betreibt Sam Records in der Pariser Rue Taylor 22 übrigens auch einen eigenen Store: Geöffnet wird immer freitags von 13 bis19:30 Uhr und samstags von 11 bis 19:30 Uhr. Zu haben sind nicht nur die hauseigenen Veröffentlichungen, sondern auch viele weitere audiophile Schätze auf Vinyl, die auf hochwertigen High-End-Komponenten abgehört werden können - ein Besuch lohnt sich also garantiert.

An dieser Stelle sollten wir uns nicht lange damit aufhalten, wie Schallplatten gepresst werden - on- und offline gibt es genug Möglichkeiten, sich über diesen Prozess informieren. Natürlich gibt es schlechtere und bessere Presswerke, Speakers Corner Records (SCR) kooperiert seit Jahrzehnten mit dem anerkanntermaßen besten Presswerk in Europa, der Pallas in Diepholz.

Aber auch die ‚weltbeste‘ Pressung kann nicht Fehler korrigieren, die in davor gelagerten Prozessen gemacht wurden. Speakers Corner Records fokussiert sich daher ganz besonders auf die Quelle und das Mastering.

Da SCR zu 100% analoge Produktionen garantiert - ohne jegliche digitalen Zwischenschritte -, kommen als Quellen nur das analoge Masterband oder eine neu erstellte, ebenfalls in jedem Fall analoge, Bandkopie für den Lackfolienschnitt in Frage.

Bis in die 70er Jahre wurden Masterbänder nicht nach heutigen Standards aufgenommen. Zudem sind die Bänder teilweise gealtert oder gar defekt - und vielfach stellen die Labeleigner mehrere Bänder zu Verfügung.

Dem jeweiligen Masteringingenieur kommt daher maßgebliche Bedeutung zu, mit den vorliegenden Materialien das beste Ergebnis zu erzielen. Über die Jahre hat sich mit den Ingenieuren ein entsprechendes Vertrauensverhältnis aufgebaut, SCR gibt ihnen völlig freie Hand: Die Magie analoger Musikwiedergabe beginnt hier!

SCR arbeitet nur mit den besten Cuttern der Welt zusammen; zum Teil sogar aus deren Ruhestand heraus - eben weil sie jahrzehntelange Erfahrung mit den jeweiligen Bändern haben. Credo ist dabei, zu verwirklichen, was den damaligen Musikern und Ingenieuren aufgrund technischer Limitierungen nicht möglich war. Daher gibt es auch nicht so etwas wie einen ‚Speakers Corner Records-Sound‘, jede einzelne Aufnahme behält ihren individuellen Charakter.

Seit 1993 wurden nach diesen Prinzipien rund 650 Titel produziert: alle - bis auf eine einzelne Veröffentlichung - zu 100% analog: Aufnahme, Quelle, ggf. Bearbeitung und Mastering.

Als einziges audiophiles LP-Label informiert SCR auf dieser Website transparent über die angewendeten Fertigungsprozesse und Ingenieure: https://pure-analogue.com/

Mit bis zu $1000 pro Studiostunde fließen bei SCR daher mitunter substanzielle Beträge in das Mastering. Die gleiche Sorgfalt wird jedoch auch bei der Reproduktion der Cover, Label und ggf. Beilagen angewendet. Wenn nicht aus rechtlichen Gründen unmöglich, wird stets das Artwork der lokalen Erstausgabe verwendet.

Nicht umsonst ist das von Christiane Waldmann und Kai Seemann geführte Unternehmen also das weltweit älteste noch existierende Label für hochwertige, rein analoge Wiederveröffentlichungen auf Vinyl (zumal unter denselben Eigentümern). Sieveking Sound gratuliert von Herzen zum 30. Firmenjubiläum und freut sich auf viele weitere Vinylpretiosen aus dem norddeutschen Gettorf.

Hinter unscheinbaren Mauern verbirgt sich mitunter Großes. Eine Binsenweisheit? Nicht in Zeiten, in denen die schillernde Oberfläche eines Produkts häufig wichtiger ist als seine tatsächliche Substanz.

Dieses Prinzip gilt auch für die Musikszene. Man nehme etwa die Firma TACET: Über 30 Jahre schon produziert Tonmeister, Produzent und Firmenchef Andreas Spreer mit seinem Team eine herausragende Aufnahme nach der nächsten – und zwar so behutsam, diskret und sachlich-unaufgeregt, dass der Name TACET vielleicht nicht jedem sofort etwas sagt, das Label aber zu den vielleicht beeindruckendsten Adressen der internationalen Musikbranche gehört.

Dieser „hidden champion“ unter den Plattenfirmen hat bereits eine Sammlung an Trophäen im Schrank stehen, die viele Mitbewerber blass um die Nase werden lässt. Preise von Organisationen wie dem International Classical Music Award (ICMA) oder dem Verband der Deutschen Tonmeister hamsterte TACET ebenso ein wie mehrere „Preise der Deutschen Schallplattenkritik“ - und durfte sich für seine Katalognummer 172 (Ludwig Spohr: String Sextet In C Major, Op. 140 & Nonet In F Major, Op. 31; eingespielt mit der Camerata Freden) im Jahr 2012 sogar über eine Nominierung für den Grammy Award freuen. All das ist verdienter Lohn für eine nunmehr 35 Jahre lange Arbeit im Dienste von herausragenden Produktionen zwischen Klassik, Jazz und Avantgarde - in „bestmöglichem“ Klang.

Wobei sich die Formulierung „bestmöglich“ im Fall von TACET deutlich komplexer darstellt, als man spontan vermuten würde. Denn das Team um Firmenchef Andreas Spreer strebt bei seiner Arbeit nicht nach einem physikalisch messbaren, womöglich in so etwas wie „Klangpunkte“ verpackbaren Superlativ. Ziel des Unternehmens ist vielmehr der „natürlichste“ Klang. Deshalb dachte und arbeitete Spreer von Beginn an auf zwei Ebenen – einer musikalischen und einer aufnahmetechnischen. Heißt: Die Intention einer Komposition und die Ideen ihrer Interpreten werden bei TACET mit einer individuell darauf abgestimmten Aufnahmetechnik unterstützt. Dies kann mal mit einem Minimum an Aufwand vonstattengehen, in anderen Fällen aber auch mit einem Maximum an Studiotechnik - jedoch immer mit dem Einsatz bester Geräte.

„Für das Niveau der Darbietung stehen an erster Stelle die Interpreten“, erklärt Andreas Spreer seine Philosophie. „Zugleich wird deren Erscheinung auf dem Tonträger von uns Studiotechnikern mitbeeinflusst. Wir als Tonmeister, Aufnahmeleiter und Produzenten haben also eine Aufgabe, von deren Existenz und Bedeutung viele Hörer nur wenig wissen.“ So weit, so gut. Doch diese Situation als „Transmitter“ zwischen Interpreten und Künstlern auf der einen Seite und dem Hörer vor der heimischen HiFi-Anlage auf der anderen Seite verlangt nicht nur technisches Knowhow und viel Berufserfahrung, sondern auch ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. „Mir ist es besonders wichtig, nicht in Konkurrenz zu den ausübenden Musikern zu treten. Es wäre schade, wenn jemand glaubt, der Künstler sei nur gut, wenn er einen guten Tonmeister hat. Das ist falsch und dieser Eindruck wäre schädlich.“

Im Spannungsverhältnis zwischen technischen und künstlerischen Perspektiven produziert Andreas Spreer Jahr für Jahr konsequent audiophile LPs, SACDs und andere Tonträger für höchste klangliche und musikalische Ansprüche. Der TACET-Chef selbst absolvierte zunächst auf der Hochschule für Musik in Detmold ein Tonmeister-Studium und legte dort 1981 sein Meisterdiplom ab, ehe er mehrere Jahre bei einer renommierten Stuttgarter Plattenfirma arbeitete. Erst danach gründete er 1989 sein eigenes Label. Mittlerweile blickt TACET auf rund 200 Katalogtitel zurück - und auf eine Reihe verschiedener Aufnahmeverfahren. Standen frühe Veröffentlichungen (etwa mit dem Abegg-Trio; Katalognummern 76 bis 92) noch im Zeichen einer mit relativ vielen Mikrofonen erzeugten „Illusion von Echtheit“, so avancierte in den 1990ern eine im Extremfall mit nur zwei Mikrofonen erschaffene Natürlichkeit zum dominierenden ästhetischen Prinzip. Die Mehrkanalproduktionen der 2000er-Jahre wiederum widmeten sich einer „Neuen Künstlichkeit“ - so etwa dem „TACET Real Surround Sound“, der tatsächlich auf alle Kanäle echte Musiksignale schickt, während in „normalen“ Surround-Sound-Settings manche Kanäle teilweise lediglich mit Rauminformationen gefüttert werden.

Und dazwischen? Immer wieder spannende Ausflüge in klangliche Nischen und allerlei extravagante Experimente. Da wären beispielsweise die Veröffentlichungen der Reihe „Tube Only“, die völlig ohne Transistoren, nur mit Geräten aus den 50er-Jahren entstanden. „Meine Lieblingsmikrofone sind die Neumann M49, die U47 und U67“, schwärmt Andreas Spreer bei diesem Thema. „Von allen besitzen wir ein Paar, teilweise mehr - und mittlerweile werden alle unsere Aufnahmen nur noch mit Röhrenmikrofonen gemacht. Nichts klingt besser!“

Doch es geht noch ausgefallener, wie die LP-Produktion „oréloB“ von 2013 beweist: Diese mit dem Netherlands Philharmonic Orchestra unter Carlo Rizzi aufgenommenen Ravel-Kompositionen (Tacet 207) wurden „rückwärts“ auf Vinyl geschnitten - folgerichtig wird diese Schallplatte also von innen nach außen abgespielt. Was wie ein effekthascherischer Gag für Schwarzgold-Fans auf der Suche nach dem allerletzten Schrei wirkt, folgt freilich einer hieb- und stichfesten elektrophysikalischen Logik: Bei einer Langspielplatte eignen sich die äußeren Abschnitte besser für laute Töne und dynamikreiche Passagen, da hier die Rille pro Zeiteinheit mehr Platz zur Verfügung hat. Daher war dieses „inside-out-Verfahren“ also der ideale Kniff, um Ravels sich langsam entwickelnden, dann dramatisch anschwellenden Geniestreich richtig zur Geltung kommen und im rauschhaften Fortefortissimo ausklingen zu lassen.

Neben viel erstklassiger Technik kommt also auch ein gerüttelt Maß an Einfallsreichtum zum Einsatz bei TACET. Im Studio agieren unter anderem: Geräte von DirectOut, RME, Stax, Genelec und Software von Sequoia und Merging.

Und doch dient alles einem ganz einfachen Prinzip. „Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise „romantisch“ sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken“, sagt Andreas Spreer und bringt das Credo von TACET auf den Punkt. „Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern, darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und, und, und - die vollständige Liste wäre endlos.“

Nach über drei Jahrzehnten im Schwäbischen ist TACET nun seit Kurzem in Köln ansässig. Möglicherweise rückt die Firma mit dem Umzug in die quirlige, deutlich geschäftigere Rheinmetropole künftig also etwas stärker in den Fokus. Ganz sicher aber werden Andreas Speer und seine Mitarbeiter auch am neuen Standort weiterhin so sachlich-unaufgeregt arbeiten wie bisher und ihre audiophilen Pretiosen im typischen TACET-Stil produzieren: jener wohltuenden und doch so selten zu findenden Mischung aus Akribie, Einfühlungsvermögen und immenser technischer Kompetenz.

The Lost Recordings

Das vom Pianisten Frédéric D'Oria-Nicolas mitbegründete französische Label The Lost Recordings reist um die Welt auf der Suche nach unveröffentlichten Aufnahmen legendärer Künstler. Mit seinem einzigartigen Restaurierungsverfahren erweckt es dieses unschätzbare Erbe zu neuem Leben. Das Credo dabei: "Originalaufnahmen sind wie Meistergemälde, die noch niemand gesehen hat“.

Von Anfang an hatte das in Paris ansässige Unternehmen nur ein Ziel: legendäre Aufnahmen, die bisher unveröffentlicht waren oder als verschollen galten, zu entdecken und wieder zum Leben zu erwecken. Die Geschichte von The Lost Recordings begann 2016 mit einer Sammlung und wurde 2022 zu einem unabhängigen Label. Seitdem sucht ein Team erfahrener Klangarchäologen auf der ganzen Welt nach den originalen analogen Mastern großer Jazz- und Klassikaufnahmen, die in den endlosen Gewölben der Musikarchive verloren gegangen sind.

Gleichzeitig hat das Label ein eigenes Phoenix Mastering®-Verfahren entwickelt, um aus den jahrzehntealten Masterbändern, die teilweise bis in die 1950er Jahre zurückreichen, ein Maximum an klanglichen Details herauszuholen. Für das Remastering werden bestes, speziell für analoges Remastering entwickeltes Studioequipment sowie internationale Tonmeister und Schnittspezialisten eingesetzt. So übernimmt zum Beispiel Kevin Gray, einer der weltweit führenden Experten auf diesem Gebiet, den Lackschnitt für die Fertigung.

Schließlich wird jede dieser Veröffentlichungen im südfranzösischen Marciac - berühmt für sein Jazz-Festival - unter strengsten Qualitätskontrollen auf 180-Gramm-Vinyl gepresst: Die Pressstempel werden für maximal 500 Exemplare verwendet, die Aufheiz- und Abkühlzyklen sind doppelt so lang wie bei einer normalen Pressung. Jedes Exemplar des liebevoll gestalteten und ausführlich diskographierten Tip-On-Gatefolds wird vor der Auslieferung von Hand nummeriert. Für digitale Hörer liegt ein Gutschein zum Download einer 16-Bit AIFF-Version bei, eine hochauflösende 24-Bit/176,4kHz-Version ist ebenfalls erhältlich. Das Label veröffentlicht auch Tonbänder und UHQCD.

Beim Repertoire konzentriert sich TLR auf historisch wertvolle Archivfunde mit legendären Sängerinnen wie Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan sowie auf herausragende Aufnahmen von Cool Jazz bis Bebop mit Ikonen wie Dave Brubeck, Oscar Peterson, Art Blakey und Thelonious Monk. Für Klassikfans gibt es Klavier-, Cello- und Orchesteraufnahmen mit großartigen Ensembles und Solisten, etwa Emil Gilels' Recitals im Concertgebouw 1975, 1976, 1978, 1979 und 1980 oder die mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichneten "Unreleased Beethoven Recitals" von Claudio Arrau mit Arturo Benedetti Michelangeli, Henryk Szeryng oder Johanna Martzy, die 1959 in der Berliner Hochschule für Musik aufgenommen wurden. Ein aktuelles Highlight: eine hervorragend ausgestattete und umfangreich diskographierte 3-LP-Edition der Berliner Aufführung von Donizettis Lucia de Lammermoor aus dem Jahr 1955 unter Herbert von Karajan mit den Ausnahmestimmen Maria Callas und Giuseppe Di Stefano als unvergesslichem Solistenduo.

Perfektion oder Emotion? Nicht immer bekommt man beides unter einen Hut, weiß Tetsuo Hara. Viele Jahre arbeitete der japanische Produzent für Labels wie RCA Victor oder die 1969 gegründete Firma Alfa Recordings (heute eine Tochtergesellschaft von Sony Music Publishing Japan) und erlebte unzählige Male die Herausforderung, klangliche und musikalische Perfektion mit Gefühl und Spielfreude in Einklang zu bringen. Und nicht immer entsprach das Ergebnis seinen Ansprüchen.

Haras Antwort: 1992 gründete er seine eigene Company Venus Records. Seitdem steht die nahe Tokio ansässige Firma für Produktionen, die dem Jazz die Lebendigkeit und Emotionalität der frühen 60er Jahre zurückgeben. Die wichtigsten Parameter hierfür: Haras eigener, auf 24-bit-Mastering basierender „Hyper Magnum Sound“ sowie eine wohltuend altmodische Arbeitsweise. Stets bringt Venus Records für seine Produktionen alle Musiker, so wie vor Jahrzehnten üblich, zur gleichen Zeit gemeinsam ins Studio und fertigt direkt vor Ort den Stereomix für die spätere Veröffentlichung. Das endgültige Feintuning erfolgt dann im eigenen Studio in Japan.

In allen Mix- und Masteringprozessen auf absolute Audiophilität ausgerichtet, steht das Ergebnis für ein Klangbild, das maximale Präsenz mit größtmöglicher Natürlichkeit der Einzelinstrumente kombiniert und so direkt und emotional aus den Lautsprechern perlt, als wäre der Hörer in einem exquisiten Tonstudio bei einer Liveaufnahme zu Gast. Dabei arbeitet Hara nur mit Künstlerinnen und Künstlern, deren Musik ihm selbst gefällt - insbesondere mit Jazz-Trios mit Piano, Klarinette oder Saxophon sowie herausragenden Vokalistinnen aus Italien, den USA und Japan. Um in allen Herstellungsschritten die nötige Sorgfalt zu garantieren, veröffentlichen Tetsuo Hara und sein Team übrigens nicht mehr als rund ein Dutzend Neuproduktionen pro Jahr. Unterteilt ist das Portfolio in vier verschiedene Bereiche: Die „Master Piece Collection“ bringt Erlesenes aus in Trio- oder Quartettformationen von Stars wie Enrico Rava, Archie Shepp oder Steve Kuhn sowie exquisite Singer-Songwriter- und Klassikproduktionen; für Analog-Hörer locken auf 180-Gramm-Vinyl gepressste LPs, und wer digitale High-Resolution-Discs bevorzugt, wird in einem breitgefächerten Sortiment an SACDs fündig.

Komplettiert wird der Katalog durch Übernahmen von zuvor bei anderer Firmen erschienenen Klassikern - beispielsweise einer Neuauflage von Art Peppers „Among Friends“, einer ursprünglich 1978 beim japanischen Interplay-Label erschienenen Sammlung von Jazz-Standards, die Venus um einen Bonustrack („Blue Bossa Take 2“) ergänzte. Allen Formaten gemeinsam: eine minimalistisch-elegante Gestaltung von Covern und Booklets. Formvollendete Ästhetik trifft hier auf fernöstlichen Purismus - sämtliche diskografische Angaben sind auf Japanisch, zusätzliche auf Englisch gibt es lediglich die recording credits sowie die Titel der einzelnen Tracks. Und selbstverständlich wird jede LP mit einem „Obi“ ausgeliefert: Schließlich ist diese um die linke Coverkante gewickelte, mit japanischen Schriftzeichen bedruckte Zierbanderole für Fans nicht nur eine nette Zugabe, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil einer authentischen Nippon-Pressung.