Titel

Side One

1. Tribal Dance

2. Temple Bells

3. Is it Really The Same?

4. Here There and Everywhere

Side Two

1. Love-In

2. Sunday Morning

3. Memphis Dues Again / Island Blues

The Charles Lloyd Quartet - Love-In

180g Vinyl, LP - PPAN-SD-11481 - UVP 35,00 €

Fünf Jahrzehnte nach dem Event ist Saxophonist Charles Lloyd's "Love-In", aufgenommen 1967 live im Fillmore Auditorium in San Francisco, dem Musikzentrum der Gegenkultur an der Westküste, so viel ein archäologisches Artefakt wie ein musikalisches Dokument. Vom Sleeve-Designer Stanislaw Zagorski über das Cover des Rolling Stone Fotografen Jim Marshall, den Albumtitel und einige der Titel ("Tribal Dance", "Temple Bells") bis hin zu John Lennon und Paul McCartney's "Here There And Everywhere", riecht "Love-In's" Semiologie nach dem acidgetränkten Zeitgeist der Mitte der 1960er Jahre, einer Zeit, in der kreative Musik blühte und Rock-Fans bereit waren, sich Jazz zu Gemüte zu führen, sofern die Musiker nicht wie ihre Eltern daher kamen: Spießer in geschniegelten Anzügen, die Zynismus ausstrahlen.

Es ist wahrscheinlich, dass auf dem Cover von "Love-In" mehr Joints gerollt wurden als auf jeder anderen Jazz-LP dieser Zeit, mit Ausnahme von John Coltranes "A Love Supreme" (Impulse!, 1965) und Pharoah Sanders "Tauhid" (Impulse!, 1967). Chet Helms, eine Person großen Einflusses in der Gegenkultur der Westküste, sprach für viele, als er das Lloyd-Quartett als »die erste psychedelische Jazzgruppe« bezeichnete.

Es ist Lloyd's Verdienst, dass er sich zumindest in der Anfangsphase seiner Vereinnahmung durch die Gegenkultur dagegen wehrte, seine Musik zu vereinfachen. Dies ergab sich aus Lloyds Einstellung zur Gesellschaft, seinem Medienverständnis, seinem Stil und seinem Mut, Jazz in den Tempeln der Rockkultur zu spielen. Drei Jahre vor dem Trompeter Miles Davis spielte er mit seinem Quartett bereits im Fillmore West.

"Love-In" kommt so mit einer Ladung Psychedelika, teilweise buchstäblich geruchsschwanger. Aber die 45 Minuten Musik haben noch immer Bedeutung: Lloyds stimmhafter Tenor (und Flöte auf zwei Tracks) hat Coltrane-Muskel; die lyrischen und funky Soli des jungen Jarrett, vor allem auf seinem 07:55 Showcase, dem gospelartige "Sunday Morning", seine beiden hier vorgestellten Eigenkompositionen ("Sunday Morning" und das Soul-Jazz-artige "Is It Really the Same?"), und sein direktes Spielen der Klaviersaiten mit den Händen bleiben überzeugend; McClure und DeJohnette sind solide und einfallsreich.

Charles Lloyd (ts, fl); Keith Jarrett (p); Ron McClure (b); Jack DeJohnette (dr)

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